Fünfter Jahrestag des Brandanschlags in Pfedelbach

Vor fünf Jahren brannte die geplante Asylunterkunft in Pfedelbach. Die Täter sind bis heute nicht gefasst. Um endlich Licht ins Dunkle zu bringen, hat die Recherche Nordwürttemberg eine Broschüre veröffentlicht. Ihr Titel lautet: „Die Täter leben unter uns“. Sie enthält Informationen zum Brandanschlag und rechtsextremen Vorfällen in Hohenlohe seit 2015. Alle Haushalte in Pfedelbach haben ein Exemplar erhalten. Auch ich komme in einem Interview zu Wort:

1.      Wann und wie haben Sie vom Brand in Pfedelbach erfahren?

Ich wurde von Menschen aus Pfedelbach informiert, mit denen ich damals beim Freundeskreis Asyl in Öhringen zusammengearbeitet habe. Durch sie habe ich vom Vorfall relativ schnell erfahren.

2.      Was waren Ihre ersten Gedanken, als bekannt wurde, dass es sich um eine absichtliche und mutmaßlich rassistisch motivierte Brandstiftung handelt?

Ich war sehr schockiert. Das Gebäude war neuerrichtet und stand kurz vor der Einweihung. Es sollte Menschen, die vor Gefahr und Willkür fliehen mussten, einen sicheren Ort bieten. Dass es Personen gibt, die das verhindern wollen, finde ich schlimm. Es war wichtig und gut, dass sich anschließend viele Pfedelbacherinnen und Pfedelbacher solidarisch gezeigt haben. Sie haben in Kundgebungen ihre Wut über diese kriminelle Tat geäußert.

3.      Wo tritt Rassismus und Rechtsextremismus im Hohenlohekreis in Erscheinung?

Es gibt immer wieder rassistische Vorfälle. Hierzu gehören Nazi-Schmierereien, die ebenfalls in Pfedelbach aufgetreten sind. In Öhringen gab es lange Zeit die Kundgebungen „Hohenlohe wacht auf“. Dort nahmen Akteure teil, die deutschlandweit für ihre rassistische Ideologie bekannt sind. Sie wurden von Menschen aus Hohenlohe beklatscht. Auch die Querdenker-Demos haben schockierende Parolen geboten. In Forchtenberg beispielsweise haben sich Demonstrierende mit Sophie Scholl verglichen. Das ist eine verheerende Anmaßung. Sophie Scholl hat ihr junges Leben verloren, weil sie den Mut aufbrachte, einen brutalen Unrechtsstaat zu kritisieren. Es geht aber auch um Alltagsrassismus. Menschen werden aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Herkunft in Schubladen gesteckt. Ich höre leider immer wieder Vorurteile, beispielsweise, dass bestimmte Menschen faul seien, das System ausbeuten oder Chaos ins Land bringen würden. Neulich wollte mich jemand darüber aufklären, was die Abkürzung m/w/d für „männlich, weiblich, divers“ tatsächlich bedeute. Sie stehe für „männlich, weiß, deutsch“. Die Person, die das äußerte, war nicht irgendjemand, sondern Träger eines öffentlichen Postens in Hohenlohe.

4.      Wie bewerten Sie den Rassismus und Rechtsextremismus im Hohenlohekreis?

Zum einen gibt es die genannten Vorfälle. Problematisch ist es aber auch, wenn aus Protest gewisse Parteien gewählt werden, obwohl diese ein rechtsextremes Programm haben. Immer wieder sagen mir Menschen in Hohenlohe, sie kennen Personen, die so unzufrieden sind, dass sie bei der Bundestagswahl eine solche Partei wählen wollen. Das ist brandgefährlich. Gewinnen diese Parteien an Zuspruch, wird auch deren Ideologie in der Öffentlichkeit präsenter und der Rassismus kann sich in der Gesellschaft etablieren. Wir dürfen daher die schrecklichen Ereignisse der NS-Zeit nicht vergessen. Rassismus und Rechtsextremismus führten dazu, dass in diesem Land Millionen Menschen ermordet wurden. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war das NS-Gedankengut eine Belastung für die Gesellschaft. Heute sind wir ein liberales Land und betreiben eine beispielhafte geschichtliche Aufklärung. Das muss weiterhin unser Ziel sein. 5. Was wünschen Sie sich von den Menschen in Ihrem Wahlkreis im Umgang mit Rassismus und der extremen Rechten? In unserem Grundgesetz steht, dass die Menschenwürde unantastbar ist. Das gilt für alle Bürgerinnen und Bürger. Mir ist sehr wichtig, dass wir jede und jeden auch so behandeln. Da wo es nicht der Fall ist, wünsche ich mir, dass die Menschen protestieren und sich empören. Ich wünsche mir auch eine gelingende Integration, durch die sich Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und kultureller Hintergründe zwangslos begegnen und austauschen

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